Survival of the wrongest

Allen, die gelegentlich über Medizinjournalismus nachdenken, empfehle ich diesen Artikel von David H. Freedman aus der Columbia Journalism Review: Survival of the wrongest

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Mein Beitrag zum Rechenheft

Die FU Berlin leistet sich zweimal im Jahr ein eigenes Wissenschaftsmagazin, das ich wärmstens empfehlen kann. Das aktuelle Heft wurde humorvoll Rechenheft genannt und beschäftigt sich mit – richtig, Mathematik. Mein Beitrag dazu ist ein längerer Artikel über die Bedeutung des Biocomputings für die medizinische Forschung mit einem Schwerpunkt auf HIV: Rechnen hilft!

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Fettleibigkeit und die Folgen

Zum Jahreswechsel ist die neue Broschüre Adipositas Erkrankungen: Forschung – Diagnose – Therapie erschienen, die ich im Auftrag des Bundesforschungsministeriums verfassen durfte. Den Input liefert das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) in Leipzig. Nach der Schwindel-Broschüre und der Schlaganfall-Broschüre ist das jetzt die dritte derartige Broschüre, die ich für diese Reihe erstellt habe.

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In weiter Ferne so nah

Ende vergangenen Jahres hatte ich die Gelegenheit, einige Tage am Victoria-See in Tansania verbringen zu dürfen, eine abgelegene Region, in der vor allem die Fischerdörfer ein ausgeprägtes HIV-Problem haben. Hier sind zwei der Texte, die dort entstanden sind. Einer stammt aus der Zeitschrift Heilberufe, Springer Medizin, und thematisiert HIV. Der andere mäandert eher an der Grenze zwischen Medizingeschichte und Reisejournalismus. Abgedruckt hat ihn das Deutsche Ärzteblatt. Mein Dank gilt der Bristol-Myers Squibb Foundation, die diese Erfahrungen ermöglicht hat.

Endstation Deutsch-Ostafrika: Dr. Pascha, I presume? (Hier der direkte Link zum Ärzteblatt-Artikel)

AIDS-Hilfe in Afrika (Heilberufe)

In diesem Zusammenhang weise ich auf ein etwas älteres Interview mit Dr. Hans Jäger, München, hin, erschienen anlässlich des 30. Jahrestages der HIV-Entdeckung in der Ärzte Zeitung.

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Der Schlaganfall: Forschung-Diagnose-Therapie

Der Schlaganfall ist ein Thema, mit dem ich mich seit Jahren immer mal wieder beschäftige. Es ist unheimlich wichtig, aber immer noch unheimlich wenig “sexy” im journalistischen Sinne. Zu den relevanten Entwicklungen der letzten Jahre gehört die Einführung der Schlaganfall-Telenetze, die in Kliniken ohne ständig verfügbare Neurologen dank Videokonferenz-Equipment und gemeinsamer Fortbildungsanstrengungen einen Stroke Unit-ähnlichen Standard bei der Schlaganfallversorgung gewährleisten.

Von therapeutischer Seite ist die Erweiterung des Lyse-Fensters auf viereinhalb Stunden erwähnenswert. Die maßgeblichen klinischen Studien wurden übrigens in beiden Fällen in Deutschland gemacht oder von Deutschland aus koordiniert. Spannend ist derzeit, inwieweit interventionelle Systeme die bisher weit überwiegend medikamentös-konservative Behandlung ergänzen können. Hier gibt es viel Hype, aber noch vergleichsweise wenige Daten. Es lohnt sich in jedem Fall, an dem Thema dran zu bleiben.

Eine Art Überblick verschafft die BMBF-Broschüre Der Schlaganfall: Forschung-Diagnose-Therapie, die jetzt veröffentlicht wurde und zum kostenfreien Download bereit steht. Sie konzentriert sich auf das Centrum für Schlaganfallforschung Berlin (CSB), hat aber – ähnlich wie die ältere BMBF-Broschüre Der Schwindel – einen umfassenderen Anspruch.

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Film-Theater live on stage

Die Schaubühne hat seit September 2010 eine Interpretation des Fräulein Julie von August Strindberg im Programm, die jetzt wieder ein paar Mal gespielt wird und die das Beziehungsdrama aus der Perspektive der Köchin Kristin erzählt. Kristin ist die Verlobte des Dieners Jean, der sich eines Nachts quasi unter den Augen seiner Angetrauten  von der Tochter des Hauses, der 25jährigen Fräulein Julie, verführen lässt.

Das Ganze endet zwangsläufig im Desaster, aber darum soll es hier nicht gehen. Das Stück ist deswegen faszinierend, weil die (mit Shakespeare-Interpretationen an der Royal Shakespeare Company bekannt gewordene) Katie Mitchell zusammen mit dem Videokünstler Leo Warner die Perspektive der Kristin mit Hilfe von mehreren Videokameras einnimmt, die die Verführungsszenen und alles, was sonst noch so passiert, live auf der Bühne aufzeichnen. Der Film wird oberhalb der Bühne auf eine Leinwand projeziert und zu allem Überfluss von zwei “Musikern”, die an einem großen, spärlich beleuchteten Tisch am Rande der Bühne stehen, ebenfalls live vertont.

Höchst beeindruckend ist, dass der ganze Aufwand mit den Kameras (auch dank guter Beleuchtung) in einer Weise nebenbei abläuft, dass es fast überhaupt nicht stört, auch wenn die Kameraleute natürlich ständig ihre Positionen wechseln und über oder unter Kabeln entlang steigen müssen. Der vor den Augen des Zuschauers entstehende Film ist qualitativ dermaßen gut, dass die ganze Aufführung nichts, aber auch gar nichts, Improvisiertes hat. Das Beste von Kino und Theater kommt zusammen auf die Bühne, und das funktioniert selten. In einer kleinen Kammer der auf der Bühne aufgebauten Wohnung begleitet ein Cello-Spieler das ganze Drama auch noch musikalisch. Es geht wirklich unter die Haut.

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Claudia Pechstein reloaded

Im Nachklapp: Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) hält Claudia Pechstein in Sachen Blutdoping für unschuldig. Wer wollte, hätte angesichts der verfügbaren Informationen schon im Sommer 2009 skeptisch sein können, siehe diesen Blog-Beitrag. Absolute Sicherheit wird es nie geben, und es gibt sie auch jetzt noch nicht. Tatsache ist aber, dass hier – ohne dass ein Journalist letzte Sicherheit hätte haben können – eine Karriere ruiniert wurde. Es gehört zum Wesen indirekter Nachweise, dass es sich um Indizienprozesse handelt. Die Frage ist, wie sich die damit verbundene Unsicherheit dann in der medialen Berichterstattung widerspiegelt.

Man kann es durchaus für korrekt halten, die Athletin auf Basis der damals vorliegenden Daten und Erkenntnisse zu sperren. Man darf allerdings nicht sagen, sie sei des Dopings überführt worden. Das war sie im Sommer 2009 nicht. Und das ist sie jetzt noch einmal etwas weniger. Natürlich ist auch die DGHO nicht der Heilige Stuhl. Genausowenig wie ein Indizienbeweis Doping zweifelsfrei belegen kann, hat die DGHO mit ihren Ausführungen das Doping zweifelsfrei widerlegt. “Man kann auch Läuse und Flöhe haben”, wie Mediziner gerne sagen. Letztlich läuft alles auf die Frage der Angemessenheit einer Strafe hinaus: Wo Zweifel sind, muss sich das im Strafmaß widerspiegeln. Zwei Jahre Sperrung ist viel für Sportkarrieren, die nur ein paar Jahre dauern.

Die kompletten Unterlagen zu der PK finden sich bei Jens Weinreich.

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Doping bei Claudia Pechstein?

Ein Beitrag dazu in der Ärzte Zeitung.

Medizinisch ist das nicht so eindeutig. Sie müsste ziemlich lange (9 Jahre!) ziemlich dreist und ziemlich konsequent vorgegangen sein, um diese Werte zu erklären. Zwei Jahre Sperrung sind in jedem Fall ein harsches Urteil für eine laborchemisch zumindest fragwürdige Konstellation.

Claudia Pechsteins Homepage.

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“Spiegel” rät von Lymphknotenentfernung ab…

Beim Friseur lag heute ein „Spiegel“ von vor ein paar Wochen rum. Dort wurde wieder einmal eine Krebs-Sau durchs Dorf gejagt, man kann es nicht anders sagen. Ich hab mir die Ausgabe leider nicht gemerkt, aber es ging darum, dass Tumorchirurgen bei der Operation von Krebspatienten zu oft Lymphknoten entfernen, ohne dass es dafür eine wissenschaftliche Grundlage gebe.

Die Daten lieferte – wie bei anderen katastrophal einseitigen Spiegel-Stories über Krebs – das Münchener Tumorregister. Tenor: Dass eine radikale Lymphknotenentfernung bei der Operation solider Tumoren Sinn mache, gäben die Registerdaten nicht her. Dazu ließ sich, ebenfalls wie gehabt, der Biologe Professor Dieter Hölzel zitieren, beim Tumorregister zuständig für Wissenschaft und EDV. Er vertrat die These, dass es keinen Beleg für eine Metastasierung von Tumoren auf dem Lymphwege über die erste Lymphknotenstation hinaus gebe und dass es deswegen auch keinen Sinn mache, sie zu entfernen.

Dass es für die Tumorchirurgie an randomisierten kontrollierten Studien mangelt, ist kein Geheimnis. Die Frage ist, was man aus dieser Erkenntnis macht. Was Tumorregister wie das in München liefern, sind Registerdaten und nichts sonst. Epidemiologische Studien dienen im Zusammenhang mit der Wirksamkeit oder Nicht-Wirksamkeit von Therapien der Generierung von Hypothesen. Punkt. Die Hypothese wäre also in diesem Fall: Radikale Lymphadenektomien bei soliden Tumoren bringen nichts.

Was den Spiegel-Beitrag so problematisch macht, ist, dass – wie üblich, muss man sagen – mehrere Zwischenschritte übersprungen werden und die gefährliche These verbreitet wird, die Lymphknotenchiruergie sei pauschal sinnlos. Epidemiologische Daten erlauben diesen Rückschluss leider überhaupt nicht. Hohe Folsäurespiegel im Blut korrelieren statistisch eindeutig mit weniger kardiovaskulären Ereignissen. Trotzdem bringt die Folsäure-Supplementation nachgewiesenermaßen gar nichts. Soll heißen: Bevor aus der Epidemiologie irgendwelche therapeutischen Konsequenzen gezogen werden, müssen die Thesen prospektiv überprüft werden.

Der Spiegel-Autor gibt das auch irgendwo zwischen den Zeilen versteckt zu, indem er schreibt, beim Brustkrebs gehe man inzwischen in Sachen Lymphknotenentfernung selektiver vor. Das stimmt, aber die Grundlage dafür waren klinische Studien, nicht Tumorregister. Statt sich jetzt differenziert mit den auch bei einigen anderen Tumorentitäten existierenden prospektiven Daten auseinanderzusetzen und ein wenig nach Patientencharakteristika zu differenzieren, wird lieber latent suggeriert, alle Tumorchirurgen seien nicht auf der Höhe der Zeit und verstümmelten ihre Patienten.

Die eine Frage, die ich dem Autor oder auch Herrn Hölzel gerne stellen würde, ist die: Würden Sie aufgrund von Registerdaten und pathobiologischen Überlegungen Stand heute ernsthaft von einer Lymphknotenentfernung abraten, wenn Ihre Lebensgefährtin ein entsprechendes Malignom hätte? Mit Ausnahme jener Indikationen, für die prospektive Daten vorliegen – Stichwort Brustkrebs – dürfte die Antwort mit gutem Grund „nein“ lauten. Und weil das so ist, darf ein Artikel über dieses Thema nicht so klingen, wie der Spiegel-Artikel klingt, will man nicht unbedarftere Menschen in die Arme von wesentlich problematischeren Tumorheilern treiben. Verantwortungsvoller Journalismus ist etwas anderes.

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